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Michel Friedman: Merz nicht für Kanzleramt geeignet


Friedrich Merz am 08.09.2026 / Foto: via dts Nachrichtenagentur

 

Michel Friedman hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Eignung für sein Amt abgesprochen. Dem "Spiegel" sagte das frühere CDU-Mitglied: "Ich glaube nicht, dass dieser Mann der Jobbeschreibung eines Bundeskanzlers entspricht." Die CDU werde unter Merz "zu Recht abgestraft", sagte Friedman.

Er begründete seine Kritik mit Anforderungen, die er an politische Führung stelle. Ein Bundeskanzler müsse lernen, mit Verwaltung umzugehen, Entscheidungen zu organisieren und Kompromisse zu schließen. Voraussetzung dafür sei Empathie, die dem amtierenden Bundeskanzler offenbar fehle: "Ich würde nicht sagen, das ist ein Vorbild, an dem ich noch viel über Empathie lernen kann."

Friedman sagte, er bereue seinen Austritt aus der CDU vor eineinhalb Jahren nicht, im Gegenteil: Der Schritt habe ihm "innere Glaubwürdigkeit" gegeben und ihn freier gemacht. Anlass für den Austritt war die gemeinsame Mehrheit von Union und AfD bei einem migrationspolitischen Antrag im Bundestag im Januar 2025. Beim ersten Wahlgang habe er noch an einen Kontrollverlust von Merz geglaubt. Als es zwei Tage später erneut zu einer Mehrheit mit AfD-Stimmen kam, sei ihm jedoch klar geworden, wie groß der Schaden für die CDU sei: "Dann hat man aber 48 Stunden Zeit, um zu lernen. Aber als er das wieder getan hat, ist mir der politische Schaden für die Glaubwürdigkeit bewusst geworden." Demokratische Parteien dürften keine Berührung mit einer Partei riskieren, "die die Demokratie zerstören will", sagte Friedman.

Friedman warnte nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt eindringlich vor der Partei und verwies dabei auf die Geschichte seiner Familie. Der Publizist sagte, die AfD wolle nicht einfach nur politische Mehrheiten gewinnen, sondern "eine andere Republik". "Diese Partei will die Demokratie zerstören. Sie will eine andere Republik. Sie steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Sie respektiert nicht die Gründungsgeschichte der Bundesrepublik."

Friedman, dessen Eltern den Holocaust nur mit Glück überlebt hatten, warnte: "Ich komme aus einer Familie, die es nicht mehr gibt. 50 Menschen sind Schatten, ich habe nicht mal Bilder von ihnen. Meine Eltern haben überlebt und ich bin deren Kind", sagte er. Mit 18 Jahren habe er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, obwohl er als Franzose geboren worden sei. "Warum habe ich mich einbürgern lassen? Weil ich meiner Generation geglaubt habe, die mir versprochen hat: Wir machen es anders. Und weil ich dieser Verfassung geglaubt habe - als Grundlage dessen, wo ich lebe und wie ich lebe."

Friedman sagte, er wolle sich weiter in Deutschland einbringen. "Ich habe den deutschen Pass genommen, weil ich mich auch einmischen wollte, aktiv, passiv, wie auch immer. Ich lasse der nächsten Generation, solange ich kann, keinen Trümmerhaufen zurück", sagte Friedman. Er habe Jahrzehnte der Freiheit erlebt und wolle weiter dafür werben.

Sollte die AfD Teil einer Bundesregierung werden, wäre für ihn jedoch eine Grenze erreicht. "In dem Moment, wo die AfD ein Teil einer Bundesregierung wäre und damit in der Exekutive, ist für mich das Fundament von Sicherheit in diesem Land nicht mehr gegeben", sagte Friedman. Seine Sorge gelte nicht allein ihm als Jude: "Ich bin auch Journalist, ich arbeite in Kulturinstitutionen und ich kann die Klappe nicht halten. Und ich finde, ich werde nie Angst haben wollen, die Klappe zu halten."

© dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

 

NEWS25-Meldung vom 08.09.2026 - 21:05 Uhr

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