Samstag, 17. Januar 2026
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Lauterbach kritisiert Merz-Aussagen zu Krankenstand
Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum hohen Krankenstand in Deutschland scharf kritisiert. "Wenn wir dahingehend eine Verbesserung erreichen wollen, müssen wir endlich besser in der Vorbeugemedizin werden", sagte Lauterbach dem Tagesspiegel. "Das gelingt uns durch Früherkennung, etwa von Bluthochdruck, durch eine Erhöhung der Tabaksteuer und andere präventive Maßnahmen - und nicht durch Gängelei der Kranken." Merz hatte im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg gesagt, die Beschäftigten kämen im Schnitt auf 14,5 Krankentage - zu viel, so der Kanzler. In diesem Kontext stellte Merz auch das System der elektronischen Krankschreibung infrage. Lauterbach wies diese Kritik zurück. "Die Abschaffung der elektronischen Krankschreibung wäre völlig kontraproduktiv, weil sie zu noch volleren Praxen führen würde", sagte der SPD-Politiker dem Tagesspiegel. "Diese sind ohnehin schon überfüllt, ein weiterer Anstieg würde weder Patienten noch Ärzten helfen. Eine solche Schikane einzubauen, und das wäre ein Zwang zum persönlichen Erscheinen, wenn ein Arzt die Diagnose auch problemlos telefonisch stellen kann, halte ich nicht für angemessen." Auch Merz` Begründung, dass die Bürger angesichts der anhaltend schlechten Wirtschaftsleistung Deutschlands mehr "Leistungsbereitschaft" zeigen müssten, kann Lauterbach wenig abgewinnen: "Der im internationalen Vergleich hohe Krankenstand in Deutschland reflektiert kein Blaumachen", sagte er. Vielmehr sei das Problem Ausdruck einer veränderten Arbeitsmarktstruktur: "Der Arbeitsmarkt hat inzwischen auch viele Menschen aufgenommen, die früher eigentlich zu krank für Arbeit gewesen wären." Auch die Opposition kritisierte Merz` Äußerungen: "Wirtschaftlich ist es klar, dass wir mehr arbeiten müssen - aber das lässt sich nicht durch dumme Sprüche erreichen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen", sagte Franziska Brantner, Bundesvorsitzende der Grünen, dem Tagesspiegel. Merz` Äußerungen zeugten von Unkenntnis und einem falschen Verständnis seiner Aufgabe, so Brandtner weiter. Wirtschaft und Arbeitnehmer bräuchten vielmehr die passenden Rahmenbedingungen, etwa verlässliche Kinderbetreuung. "Denn es gibt sehr viele Frauen, die gerne mehr arbeiten möchten, aber nicht können", so Brantner. "Für sie ist Merz` Äußerung der blanke Hohn, wenn sie Montagmorgens in der Kita-App wieder lesen: `eingeschränkte Betreuungszeiten wegen Personalmangel`. Statt Pauschalurteile rauszuhauen und allen Deutschen Faulheit zu unterstellen, sollte Friedrich Merz sich lieber an die eigene Nase fassen." © dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
NEWS25-Meldung vom 17.01.2026 - 14:28 Uhr
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