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Deutschland hinkt bei Reduzierung vermeidbarer Todesfälle hinterher


Friedhof (Archiv) / Foto: via dts Nachrichtenagentur

 

Obwohl Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte bei der Reduzierung der vermeidbaren Sterblichkeit erzielen konnte, hat sich der Rückstand zu vielen Regionen in Westeuropa nicht verringert.

Im Vergleich zu Regionen und Ländern mit besonders günstiger Entwicklung wie etwa der Schweiz hat sich der Abstand sogar noch vergrößert, wie aus einer Studie hervorgeht, die Forscher des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) sowie der Universitäten Groningen und Oldenburg in der Fachzeitschrift "European Journal of Population" veröffentlicht haben. Als vermeidbar gelten solche Todesfälle, die bei effizienter medizinischer Behandlung oder durch präventive Maßnahmen hätten verhindert werden können. Für die Studie wurden Daten aus 581 europäischen Regionen im Zeitraum von 2002 bis 2019 ausgewertet.

"Im Gegensatz zu vielen anderen westeuropäischen Gebieten weisen viele deutsche Regionen kontinuierlich höhere Zahlen bei der vermeidbaren Sterblichkeit auf", sagte Michael Mühlichen, Mitautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB. Besonders betroffen ist der Nordosten Deutschlands - darunter Nordthüringen, Ostniedersachsen sowie größere Gebiete von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Betrachtet man die Situation in Westeuropa, so fällt ein klares Muster auf: In der Schweiz sowie in weiten Teilen von Italien, Frankreich und Spanien sterben vergleichsweise wenige Menschen an vermeidbaren Ursachen. Diese Regionen identifizieren die Forscher als stabile "Coldspots". Innerhalb Deutschlands gehörte lediglich die Region zwischen Tübingen und Ulm zeitweise zu den Coldspots. "Hotspots" mit vergleichsweise hoher vermeidbarer Sterblichkeit finden sich dagegen außerhalb von Deutschland vor allem in Belgien, im Norden und Nordosten Frankreichs, im Osten Österreichs und im Südwesten Spaniens.

Gründe für die großen regionalen Differenzen sehen die Forscher einerseits in der unterschiedlichen Effizienz bei der Früherkennung und Behandlung von Krankheiten. Andererseits spielt das gesundheitsrelevante Verhalten der Bevölkerung eine wichtige Rolle. "Gerade im Bereich Prävention besteht in Deutschland noch Aufholpotenzial, um den häufigsten Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel entgegenzuwirken", so Mühlichen.

Die regionalen Gefälle innerhalb von Staaten und über Staatsgrenzen hinweg verdeutlichen, dass sich gesundheitliche Ungleichheiten in Europa nicht allein durch Unterschiede zwischen nationalen Gesundheitssystemen erklären lassen. Auch sozioökonomische Faktoren wie Einkommen, Bildung und Beschäftigungsperspektiven spielen eine wichtige Rolle. "Um vermeidbare Todesfälle langfristig zu verringern, sollten gesundheitspolitische Maßnahmen daher noch stärker an regionalen Bedarfen ausgerichtet sein, die sich etwa aus den sozialen Bedingungen oder gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen ergeben", sagte Forschungsgruppenleiter und Mitautor Pavel Grigoriev vom BiB.

© dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

 

NEWS25-Meldung vom 09.04.2026 - 09:16 Uhr

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