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Stromausfall: Grüne und AfD kritisieren Wegner für Tennis-Pause


Kai Wegner am 07.01.2026 / Foto: via dts Nachrichtenagentur

 

Nachdem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärt hat, inmitten des Berliner Stromausfalls Tennis gespielt zu haben, kommt Kritik von Grünen und AfD. Wegner fülle "nicht die Kriterien aus, die aus meiner Sicht ein Regierender haben sollte", sagte Werner Graf, der zusammen mit Bettina Jarasch das Grünen-Spitzenkandidatenduo für die Berlinwahl bildet, dem TV-Sender "Welt" am Mittwoch. "Ich bin ziemlich fassungslos, muss ich wirklich sagen."

Kai Wegner habe um 8 Uhr erfahren, dass sich Berlin in einer der größten Krisen seit Jahren befinde. "45.000 Haushalte waren ohne Strom, in dieser Eiseskälte. Wir wissen jetzt, dass sogar eine Person gestorben ist", behauptete Graf. "Und dass man dann eigentlich sagt, man sperrt sich ins Büro ein und kümmert sich um diese Krise - und danach kommt raus, dass man sich nicht eingesperrt hat, sondern dann auch Tennisspielen gegangen ist - da würde ich immer sagen, dass man, wenn man die Kriterien für den Regierenden anlegt, das dem nicht entspricht."

Überhaupt habe Wegner beim Krisenmanagement einiges falsch gemacht, so Graf. Wegner fülle nicht die Kriterien aus, die die Berliner an das Amt des Regierenden Bürgermeisters haben. Man müsse feststellen, dass sehr viele eklatante Fehler auch gemacht wurden. "Dazu kommt, dass wir auch das Problem haben, dass Berlin schon vor vier Monaten einen ähnlichen Anschlag aufs Stromnetz hatte und wir aus diesen Fehlern, die da gemacht worden sind, anscheinend nichts gelernt haben." Bedrohungen der Sicherheit "von extremistischen Menschen von links und rechts" würde man "anscheinend nicht ernst genug nehmen und dann lieber Tennisspielen gehen", so Graf.

Die Berliner AfD-Landeschefin und Spitzenkandidatin für die Wahl des Abgeordnetenhauses, Kristin Brinker, hat als Konsequenz Wegners Rücktritt gefordert. "Es ist ehrlicherweise fatal", sagte sie dem TV-Sender "Welt". Man könne "durchaus nachvollziehen, dass man mal irgendwie eine Auszeit braucht, gerade wenn man viel Verantwortung trägt", sagte sie. "Aber dass man in so einer Lage die Situation nicht richtig einschätzt und dann auch die gesamte Öffentlichkeit, wirklich die gesamte Öffentlichkeit belügt, das schlägt dem Fass wirklich den Boden aus."

Das könne nur eine Konsequenz haben. "Und die heißt: Rücktritt. Sofort", so Brinker. "Alles andere wäre schädlich fürs Amt und deswegen gibt es da nur eine Konsequenz: Rücktritt."

Überhaupt sei Kai Wegner am Sonntag "viel zu spät in die Gänge gekommen und hat aus unserer Sicht viel zu spät die Situation und Gefahrenlage überhaupt wahrgenommen", beklagte Brinker.

Wegner rechtfertigte sein Verhalten. "Und ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte", sagte er dem TV-Sender "Welt". "Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe. Das Handy war auf laut gestellt, ich bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet."

Wegner sagte, er habe von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) persönlich am Samstag um 08:07 Uhr erfahren, dass es einen Brand mit gravierenden Auswirkungen gibt. "Die ersten Zahlen waren 19.000 Haushalte. Das ging dann Schritt für Schritt hoch. Es war auch nicht gleich klar, dass es ein Anschlag war, logischerweise", so Wegner. "Ich hatte aber gleich ein komisches Gefühl." Er sei ans Telefon gegangen und habe geguckt, wie die Strukturen funktionieren und ob die Krisenstäbe an den Start gehen.

Der CDU-Politiker wollte in Zusammenhang mit dem Tennisspiel nicht von einem Fehler sprechen, sondern verwies auf seinen Einsatz im Büro. "Ich habe in der Tat um 8:08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz. Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister." Er habe auch die Voraussetzung dafür geschaffen, "dass wir die Bundeswehr auch mit in diese Krisenbewältigung bekommen".

Wegner setzt auf Verständnis bei den Bürgern für seinen Ausflug auf den Tennisplatz. Er glaube, die Berliner in den betroffenen Gebieten seien heute erst mal froh, dass anderthalb Tage vor der Ankündigung der Strom wieder da ist. "Und wenn ich eine Stunde Sport mache, um den Kopf freizukriegen zwischen 13 und 14 Uhr, wo ich vorher gearbeitet habe und direkt im Anschluss auch, und in der Zeit erreichbar war, ich glaube, dann ist das okay", sagte er. "Entscheidend ist, dass die Krise bewältigt ist, dass wir den Menschen jetzt wieder Strom und Wärme liefern können."

Grundsätzlich hält Wegner es nicht für einen Fehler, nicht sofort vor Ort gewesen zu sein. "Ich will noch einmal sagen: Wenn ich vor Ort gewesen wäre, hätte ich die Gespräche mit dem Kanzleramt, mit dem Bundesinnenminister, viele andere Gespräche nicht führen können. Und deswegen war es richtig." Er habe dann schon am Samstag entschieden, dass er am Sonntag vor Ort sein werde. "Ich glaube, das war der richtige Weg. Ich würde es ehrlicherweise jederzeit wieder so machen, weil ich glaube, gerade als Regierender Bürgermeister hat man die Aufgabe, gerade in so einer Krise, zu koordinieren, zu steuern, zu gucken, wo muss noch etwas hin, wo fehlt noch etwas, was brauchen wir."

© dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

 

NEWS25-Meldung vom 07.01.2026 - 20:30 Uhr

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